Interview mit der Autorin Selina Carolin Albert

 

Wie kam es zu der Idee ein Kinder- und Jugendbuch über einen kleinen Drachen aus Wales zu schreiben?

Nun, ganz am Anfang kam die Idee als ich mit meiner Familie in Wales war. Dazu muss ich sagen, dass ich alle Orte, die der kleine Drache besucht, selbst bereist habe.
Also, ich habe mit meiner Familie das Castel Dinas Bran besichtigt und dort haben wir sehr seltsame Spuren gefunden. Wir haben uns scherzhaft gesagt, dass das nur ein Drache gewesen sein konnte, der seine Landung verpatzt hat.
Durch meine jahrelange Arbeit mit Kindern kam die Geschichte dann in Schwung. Unzählige Male wurde ich gebeten eine Geschichte vorzulesen oder einfach zu erzählen, wenn kein Buch zur Hand war. Ich wollte den Kindern etwas erzählen, was sie noch nie zuvor gehört haben und da war der kleine Drache Ritchi genau richtig.
Nachdem die Reaktion der Kinder so positiv war… also sie schlossen den kleinen Drachen, der obendrein ja auch noch so ungewöhnlich klein war, wirklich sofort ins Herz… Nun, es war meine Familie und die vielen Kinder, die mich dazu ermutigten, die Geschichte zu diesem kleinen Drachen, aufzuschreiben.

Warum kommt der kleine Drache ausgerechnet im Schwarzwald auf die Idee in Deutschland zu bleiben?

Es gibt sehr viele wunderschöne Ecken in Deutschland, aber im Vergleich zu Wales… Nun… Wales ist ein sehr schönes Land mit vielen grünen Wiesen, weißen Schäfchen mit schwarzer Haut, Wald und Hügeln. Der Schwarzwald sieht Wales gar nicht mal so unähnlich, aber das liegt im Auge des Betrachters. Im Buch ist es reiner Zufall, dass Ritchi im Schwarzwald ankommt. Für mich persönlich stellt der Schwarzwald eine sehr schöne zweite Heimat für einen kleinen roten Drachen dar.

Was ist die Kernaussage des Buchs?

Also es dreht sich natürlich sehr viel um Integration. Was das eigentlich bedeutet und wie es funktionieren könnte, aber auch um Reisen, fremde Kulturen und Sprachen.
Auch ein gutes Sozialverhalten und eine positive Grundeinstellung sind wichtige Themen, die in dem Buch angesprochen werden.
Alles Dinge, die dem kleinen Leser später im Leben helfen können.

Das Buch „Rhisiart Cymru – Ritchi von Wales“ wird im Eigenverlag vermarktet. Dadurch verzichten Sie auf viel, was ein großer Verlag bietet wie zum Beispiel Lektoren, Werbeartikel und Lesungen, warum diese Wahl?

Es ist heutzutage sehr schwierig einen Verlag zu finden.
So mancher Verlag braucht ein Jahr um ein Manuskript zu lesen und dann bekommt man nicht einmal eine Antwort. Natürlich ist es nicht einfach auf die vielen Manuskripte, die den Verlagen heutzutage täglich zugesendet werden, angemessen zu reagieren… nur… so geht eben schnell auch etwas unter.
Mit dem Eigenverlag erhoffe ich mir mehr Chancen bei einem Verlag, da man mit somit das Interesse steigern kann. Ich würde sagen, dass es eine Strategie ist, die unter Autoren nicht unbekannt ist.
Was Lesungen und Werbung angeht, so funktioniert das auch im Eigenverlag sehr gut. Man hat nur leider nicht den Einfluss, den ein großer Verlag hat.
Bis jetzt kann ich mich aber über den Verkauf meines Buches wirklich nicht beschweren.

Woher wissen Sie so genau wie es Kindern geht, die aus ihrem familiären Umfeld gerissen wurden?

Durch meine jahrelange Arbeit mit Kindern, wurde ich mit den verschiedensten Situationen konfrontiert. Vor allem wenn es um eine neue Heimat ging, war es sehr interessant. Mal war ich die Neue im Bunde, mal die Kinder. Ich konnte in beiden Fällen viele bemerkenswerte Beobachtungen machen, die in mein Buch eingeflossen sind.
Ich möchte allerdings hinzufügen, dass ich nur das Material verwendet habe, was auch kindgerecht ist. Die posttraumatischen Erlebnisse der Flüchtlingskinder habe ich weitestgehend heruntergespielt, denn es sollte ja ein Kinderbuch bleiben und kein Thriller.

Ein anderes Merkmal dieses Kinder- und Jugendbuchs ist das absolute Fehlen von Religion. Nicht mal Weihnachten wird erwähnt, obwohl Ritchi zu dieser Zeit definitiv in Deutschland ist, wie kommt das?

Ritchi ist laizistisch und das ist mir auch sehr wichtig, denn wenn man sich mal umschaut, bemerkt man, dass es kaum ein Kinderbuch gibt, indem nicht irgendwie irgendeine Religion gefeiert wird.
Ich möchte, dass jedes Kind dieses Buch lesen kann, ohne dass unterschwellig Werbung für etwas, wie Religion, gemacht wird. Selbst die Orte, die Ritchi besucht, sind kostenfrei… zum Beispiel die Trinkhalle in Baden-Baden, der Ruhestein oder der Gare du Nord in Paris, können alle kostenlos besichtigt werden, nun… sofern man die Reisekosten nicht mitrechnet.

Als Ritchi in Frankreich war, ist leider keine Erklärung dabei, was die Franzosen sagen. Wer also nicht gut Französisch spricht kann nichts verstehen. Ist das nicht unpraktisch?

Nein, das war sogar Absicht. Dieses Gefühl, wenn man kein Wort versteht, das hat der kleine Drache Ritchi in diesem Moment auch. Genau so fühlt sich das an.

Man konnte richtig gut mit dem kleinen Drachen mitfiebern. Schafft er es am Ende mit seiner neuen Umgebung klar zu kommen? Wird er in Deutschland bleiben?

Das erfährt man erst im zweiten Teil.

Es wird also einen zweiten Teil geben?

Ja, ich arbeite bereits daran. Mit etwas Glück wird der zweite Teil dieses Jahr vor Weihnachten veröffentlicht. Es wird sicherlich mehrere Bände geben.

Was wird den Leser im nächsten Teil erwarten?

Ich möchte nicht zu viel verraten, aber Ritchi wird natürlich wieder viele neue Orte entdecken… diesmal mehr in Deutschland.

Vielen Dank!

Ich danke auch !